Thermoelastischer Schaum, bekannt als
Memory Foam bzw. Visco-Schaum, funktioniert nach völlig anderen Prinzipien. Es handelt sich um eine Art
Polyurethanschaum, der ursprünglich in den 1960er-Jahren von
NASA-Ingenieuren entwickelt wurde, um Belastungsspitzen beim Start von Raumfähren abzufedern. Memory-Schaum ist ein
Material mit viskoelastischen Eigenschaften, denn er besitzt Viskosität - ähnlich wie Flüssigkeiten. Sein markantestes Merkmal ist die
doppelte Empfindlichkeit, weil dieser Schaum nicht nur auf mechanischen Druck reagiert, sondern vor allem auf
Temperatur, auch auf die des menschlichen Körpers.
Wenn du dich auf eine
Matratze aus thermoelastischem Schaum legst, erwärmt deine Körperwärme das Material langsam und macht es weicher. Der Schaum
formt sich präzise und umschließt deinen Körper und erzeugt so etwas wie einen Abdruck der Silhouette. Das führt zu einer starken
Reduktion des Gegendrucks an hervorstehenden Körperpartien wie Hüfte oder Schultern. Aus medizinischer Sicht kann das
die periphere Durchblutung unterstützen, was beispielsweise bei Dekubitus relevant ist.
Dieser Schaum besitzt jedoch keine
klassische Rückstell-Elastizität, also keine typische Sprungkraft. Das thermoelastische Material erzeugt daher
keine Kraft in Richtung Körper, die ihn aktiv stützen könnte. Unter Einfluss von Temperatur und Druck
wird es weicher und verformt sich und passt sich der Körperform des Nutzers an. Deshalb sinkt der Körper auf einer
Matratze aus thermoelastischem Schaum nach und nach in die Struktur ein. Der Schaum bildet zwar einen Abdruck,
wirkt der Schwerkraft aber nicht dynamisch entgegen. Er gibt keine Energie zurück und
drückt den Körper nicht nach oben, sondern weicht unter seinem Gewicht aus. Das Ergebnis ist die
typische Mulde, in der man schließlich schläft. Die Wirbelsäule wird nicht aktiv gestützt und in einer
neutralen Position gehalten, sondern bleibt von der Einsinktiefe abhängig. Es fehlt die Reaktionskraft, die die
natürlichen Krümmungen der Wirbelsäule die ganze Nacht stabilisieren würde.
Wegen der langsamen Reaktion von
V-Schaum braucht jede Positionsänderung Zeit. Wer auf so einer Matratze schläft, muss sich gewissermaßen
aus dem zuvor geformten Abdruck herausarbeiten. Das verstärkt das unerwünschte Gefühl,
in die Matratze einzusinken, und schränkt zusätzlich die Bewegungsfreiheit im Schlaf ein. In Kombination mit der
eingeschränkten Luftzirkulation in der Struktur von Visco-Schaum kann das nicht nur zu Überhitzung führen. Es entsteht auch eine Situation, in der
kurzfristig empfundener Komfort - also Weichheit und Umhüllung - nicht mit einer biomechanisch sinnvollen Körperstützung einhergeht.